SCHLAMM

SCHLAMM ist eine philosophische Dystopie über eine Welt, in der Druck nicht mehr einer Wand gleicht: Er sickert in Alltag, Sprache und Körper ein, verwischt Grenzen und macht den Menschen zum Material seiner Umgebung. Band II der MONOLITH-Trilogie: zähflüssige Verformung, erschöpfter Widerstand und Mittäterschaft als Gewohnheit.

Akte

Band II

Englisches Cover von SCHLAMM

Ein Mensch zerbricht nicht sofort. Zuerst wird er des Widerstands müde. Dann beginnt er zuzustimmen.

AKTE NR. 2026-001B. Index: 6666548A. STATUS: Streng geheim.

Ausgewählter Auszug

Kapitel 6 / § 6.2

Kapitel 6. Erste Schritte durch SCHLAMM.
§ 6.2. Lager zur Bewahrung von Splittern

Der Auszug zeigt, wie gewöhnliche Not, ritualisierte Abläufe, Angst, Schweigen und Mittäterschaft zum alltäglichen Stoff von SCHLAMM werden.

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Kapitel 6. Erste Schritte durch den Schlamm.

§ 6.2. Lager zur Bewahrung der Bruchstücke

Zum Frühstück bekamen sie Brei. Keine Nahrung im menschlichen Sinn, sondern eben Brei — grau, zähflüssig, mit jenem charakteristischen Geschmack, der entsteht, wenn Grütze lange in einem feuchten Sack gelegen hat und dann nicht mehr zur Sättigung, sondern zur Erfüllung der Norm aufgewärmt wird. Man schöpfte ihn in identische Metallschalen, und vom Dampf ging kein Geruch aus, sondern nur die allgemeine warme Erinnerung daran, dass die Biologie noch nicht vollständig abgeschafft war. Die Menschen aßen schweigend, schnell, ohne Genuss und ohne Ekel. Auch Adam aß — nicht einmal aus Hunger, sondern weil sein Körper bereits begonnen hatte, innerhalb des ihm Zugestandenen zu handeln. Der Löffel schabte über das Metall der Schale, und dieses Geräusch wirkte beinahe häuslich im Vergleich zu dem, was sie draußen umgab.

Nach dem Frühstück wurde Segment Nr. 404 in Reih und Glied aufgestellt und zu den Hangars getrieben.

Sie zogen sich abseits der Hauptentladelinie hin — lang, aus Beton, niedrig, mit dunkel gewordenen Fugen und verzogenen Toren. Auf den Schildern, die sich stellenweise von der Wand gelöst hatten, hielten sich noch halb verwischte Aufschriften, und über einem Eingang konnte Adam die offizielle Bezeichnung lesen: „Lager zur Bewahrung der Bruchstücke“.

Der Name war so genau, dass er für einen Augenblick nicht einmal wie eine dienstliche Ersetzung wirkte. Erst danach begriff Adam, dass hier, wie überall im Monolithen, das Wort „Bewahrung“ keine Fürsorge bedeutete, sondern einen Aufschub des vollständigen Zerfalls. Und „Bruchstücke“ waren keine Gegenstände, sondern alles, was bereits vom System abgesplittert war, aber noch einmal verwertet werden konnte.

Der Grauhaarige, der neben ihm ging, schnaubte kurz, als er bemerkte, wie Adam das Schild las.

„Gefällt es dir?“, fragte er. „Ein guter Ort. Alte Lagerhäuser des Imperiums. Hier verfault alles, was diejenigen nicht mehr abtransportieren konnten, die sich für klüger als das System hielten. Dann kommt der Monolith und nennt es wieder eine Ressource.“

Im Hangar war es dämmrig und feucht, und es roch nach altem Eisen, Schimmel, Öl und jenem besonderen Lagerstaub, der nicht einfach auf den Dingen liegt, sondern in sie eindringt und ihre Temperatur, ihr Gewicht und ihren Klang verändert. An den Wänden entlang zogen sich Regale, vollgestopft mit Kisten, Bündeln, zusammengeschnürten Riemen, Planen, Helmen, Stiefeln, rostigen Beschlägen und unvollständigen Sätzen von etwas, das einst einen genauen Zweck gehabt hatte und nun nur noch als Rest von Brauchbarkeit existierte.

„Einzeln vortreten!“, brüllte Ork, und seine Stimme lief mühelos durch den Hangar wie durch einen leeren Tank. „Integrationsinstrumente und Schutzmittel empfangen. Den Widerstand des Egos auf dem Bahnsteig zurücklassen!“

Der letzte Satz entlockte Kazik ein kurzes Grinsen. Giena schien ihn nicht einmal gehört zu haben — er musterte bereits den Ausgabetresen wie ein Mensch, für den jedes Lager automatisch zu einer Tabelle aus Bestand und Mangel wird.

Adam wurde als einer der Ersten aufgerufen.

Der Lagerwart schleuderte ihm ein Argumentationsinstrument in die Hände.

Es war schwerer, als es aussah. Nicht mit dem angenehmen, Zuversicht gebenden Gewicht einer intakten Waffe, sondern mit der stumpfen, verwahrlosten Schwere eines Gegenstands, der zu lange unbewegt gelegen hatte. Das Argumentationsinstrument roch nach Schimmel, altem Eisen und Maschinenöl, das längst aufgehört hatte, Schutz zu sein. Der Lauf war mit rotbraunen Korrosionsflecken übersät wie Haut von einer vernachlässigten Krankheit. Als Adam mechanisch am Verschluss zog, antwortete dieser mit einem harten, schabenden Klirren, als wäre im Inneren tatsächlich rostiger Draht anstelle einer Feder eingesetzt.

„Munition erhalten Sie in der Kontaktzone“, warf der Lagerwart hin, ohne ihm ins Gesicht zu sehen. Das Gesicht des Lagerwarts selbst war grau wie Asche nach einem Regen, und Adam begriff sofort: Das war weder Alter noch Krankheit, das war das „Spinnennetz“, das sich tiefer als die Haut in einem Menschen abgesetzt hatte. „Falls Sie dort ankommen.“

Neben ihm drehte Kazik sein Exemplar bereits mit beinahe kindlicher Begeisterung in den Händen. Ihm schien schon die bloße Tatsache zu genügen, ein Argumentationsinstrument zu besitzen. Der Lockige prüfte schweigend den Riemen, ohne auch nur zu versuchen, den Zustand der Mechanik einzuschätzen. Für beide zählte nicht die Zuverlässigkeit, sondern die Form der Zulassung. Allein die Ausgabe verlieh ihnen eine neue Stufe des Rechts. Man sah es daran, wie sie die Schultern hielten und wie rasch sie die Kontur des Gegenstands übernommen hatten.

Als Nächstes erhielt Adam eine Schutzweste.

Sie wurde ihm tatsächlich nur ausgegeben — nicht ausgesucht, nicht vermessen, nicht auf seine Größe eingestellt. Man warf ihm einfach eine massiv wirkende Schutzweste in die Hände, bezogen mit grobem Synthetikstoff, mit Riemen, Verschlüssen und jenem fabrikmäßigen Aussehen, das ein unerfahrenes Auge durchaus beruhigen konnte. Die Weste war überraschend leicht. Gerade das machte sie glaubwürdig. Sie wirkte ernst, massiv, Schutz versprechend, wog aber so wenig, als hätte man in ihrem Inneren irgendein neues, teures Material verwendet.

Unwillkürlich hielt Adam sie etwas länger in den Händen. Er zog die Riemen straffer. Streifte sie über. Der grobe Stoff legte sich auf seine Brust, und für einen Augenblick entstand das beinahe beschämende Gefühl, man habe ihn endlich zusammengesetzt, zusammengezogen und seinem Körper wenigstens irgendeine Form von Schutz gegeben. Diese Illusion dauerte nur eine Sekunde, doch sie wirkte. Gerade deshalb traf der Schlag tiefer.

Sein früherer Teil — jener, der sich noch an Normen, Spezifikationen, Logistiktabellen und Wunderberichte über neue Entwicklungen für den „Neuen Stahl“ erinnerte — reagierte schneller als seine Erfahrung. Er betastete den Rand der Weste, spürte ihre Dicke und sagte, zum Grauhaarigen gewandt:

„Sieh mal. Wenigstens hier hat man für uns gesorgt. Ganz schön dick. Wahrscheinlich die neueste Entwicklung.“

Der Grauhaarige, der in diesem Moment an der Wand hockte und versuchte, den Schmutz vom Kolben seines rostigen Argumentationsinstruments zu reiben, erstarrte zunächst. Dann stieß er kurz und trocken Luft zwischen den Zähnen aus, als hätte er keine Naivität gehört, sondern einen alten, ihm nur allzu vertrauten Scherz des Systems.

Erst danach begann er zu lachen.

Sein Lachen war trocken, bellend und ging in Husten über. Bei diesem Geräusch wurde Adam innerlich kälter als bei jedem Anschreien.

„Für uns gesorgt?“, fragte der Grauhaarige nach und richtete sich langsam auf. „Das System sorgt nur für die Dichtigkeit seiner Berichte, Manager. Nicht für deinen weichen Bauch. Gib her.“

Er trat dicht an ihn heran, ohne um Erlaubnis zu fragen. Er roch nach Staub, Eisen und der bereits vertrauten trockenen Müdigkeit eines Menschen, der dasselbe zu oft in verschiedenen Kulissen gesehen hatte. In seiner Hand lag ein Messer — kein militärisches, kein Spezialmesser, sondern ein altes, blank geschliffenes Stück Bewehrungsstahl, nach demselben Prinzip zum Werkzeug gemacht, nach dem hier überhaupt alles von einem in etwas anderes verwandelt wurde.

Mit einer schnellen Bewegung schlitzte er die Seitennaht der Plattentasche auf.

Aus dem Schnitt fiel mit einem leisen, beinahe hölzernen Klopfen ein Gegenstand.

Er fiel Adam vor die Füße, rollte ein Stück und blieb im Schlamm am Eingang liegen.

Es war ein gewöhnliches Kiefernbrett. Dick, grob abgesägt, von der allgemeinen Feuchtigkeit der Luft leicht klamm, mit Resten der Werksmarkierung eines Möbelkombinats aus dem Fernen Sektor. An der Stirnseite war noch blaue Farbe zu erkennen, und entlang der Fasern verlief eine frische, beinahe häusliche Holzmaserung.

Eine Weile sagte niemand etwas.

Sogar Kazik hörte auf, an den Riemen herumzuhantieren. Sogar Giena hob den Kopf von seinen Berechnungen.

Der Grauhaarige stieß das Brett mit der Stiefelspitze an, hob es dann auf, wog es auf der Hand und warf es zurück in den Schlamm.

„Da hast du deinen Schutz, Adam“, sagte er. „Von außen bist du ein Held des Protokolls ‚Stolz‘. Und innen bist du ein leerer Raum, mit Brennholz zugedeckt.“

Das Brett sank langsam in die graubraune Masse am Tor, halb eingetaucht und halb sichtbar, wie ein Beweisstück dafür, dass der Monolith nicht allegorisch, sondern materiell log.

Adam starrte darauf und konnte die Dicke der Weste, ihr geringes Gewicht und dieses Stück billigen Holzes darin nicht zusammenbringen. Die Täuschung war zu einfach, beinahe bäuerlich, und gerade deshalb besonders zerstörerisch. Dahinter stand nicht einmal eine raffinierte Technologie der Lüge — nur die unverschämte Gewissheit, dass das Material seinen eigenen Schutz ohnehin erst beim ersten Treffer öffnen würde.

„Aber wie ...“, sagte er leise. „Wie soll man damit in den Kontakt gehen?“

Der Grauhaarige hatte sich bereits wieder über sein rostiges Argumentationsinstrument gebeugt.

„Jammer nicht“, schnitt er ihm das Wort ab. „Wenn du leben willst, schreib deiner Mutter im Unteren Sektor. Sie soll ihre Zelle verkaufen, beim Department für Gleichgewicht einen Kredit zu vierhundert Prozent aufnehmen und dir mit einem Kurier des Spezialtransports eine richtige Platte schicken. Hier ist alles ganz einfach: Das System gibt dir keine Ressource. Es zwingt dich und deine Leute, für deine eigene Entsorgung zu bezahlen. Die höchste Form der Versklavung ist, wenn du dir selbst den Sarg kaufst, damit der Monolith kein Geld für deinen Beton ausgeben muss.“

Diese Worte klangen, wie alles beim Grauhaarigen, nicht wie eine Predigt. Er versuchte nicht zu beeindrucken. Er sprach einfach wie ein Mensch, dem sich der Mechanismus längst bis zur letzten Schraube geöffnet hatte und der nun selbst seine ungeheuerlichsten Einzelheiten ebenso trocken beschrieb, wie ein anderer Mensch den Aufbau einer Wasserleitung beschreibt.

Kazik und der Lockige probierten bereits ihre Hüllen an, ohne hineinzusehen. Für sie war schon der Besitz der „Form“ eine Initiation. Schutz interessierte sie nicht. Sie brauchten das, was mit der Form kam: Recht, Status, Zugehörigkeit zu einer neuen Kategorie, die Möglichkeit, mit einem Schwächeren nicht mehr als Mensch, sondern als Element des Prozesses zu sprechen.

Giena dagegen hockte sich an die Wand und betastete stirnrunzelnd seine Platte durch den Stoff.

„In meiner ist auch Holz“, sagte er fast ruhig. „Nur dünner.“

„Freu dich“, warf der Grauhaarige hin. „Dann ist es für dich statistisch etwas billiger zu sterben.“

Adam antwortete nicht. Er betrachtete die aufgeschlitzte Weste in seinen Händen, die herausstehenden Riemen und den leeren Innenraum, in den man ein Brett, Lumpen, Luft, irgendetwas hätte stecken können — solange es von außen wie Schutz aussah.

In diesem Augenblick begriff er, dass hier tatsächlich alles nach demselben Prinzip eingerichtet war: außen die Funktion, innen die Ersetzung.

Die Kontur sah wie Transport aus, war aber Verpackung. Eine Bewahrungszelle klang wie Fürsorge, war aber nur ein Aufschub des Zerfalls. Die Weste sah wie Schutz aus, war aber ein visuelles Protokoll für späteres Vertrauen. Selbst ihr eigenes Leben würde hier vermutlich wie Dienst aussehen und sich in Wahrheit nur als ordnungsgemäß dokumentierte Entsorgung erweisen.

Vor dem Hangar schrie jemand, andere Segmente riefen einander zu, Eisen schlug gegen Eisen, und alles klang wie eine riesige Sortieranlage, in der Materialien verschiedene Stationen durchlaufen, bevor sie zur endgültigen Verarbeitung gelangen. In dieser Mechanik war kein Platz mehr für einen Menschen, nur noch für das Bild eines Menschen, das der Bericht benötigte.

Adam prüfte unwillkürlich seine Tasche. Das Terminal vibrierte. Auf seinem Konto waren tatsächlich die „Antrittsgelder“ eingegangen — ein erbärmlicher Bruchteil dessen, was in dem Vertrag gestanden hatte, den er unter der Wirkung des „Spinnennetzes“ „unterzeichnet“ hatte. Für den Unteren Sektor wäre das viel Geld gewesen. Hier, zwischen rostigen Argumentationsinstrumenten, Brettern in Schutzwesten und dem Schlamm am Tor, wirkten die Zahlen bereits wie Hohn.

Der Grauhaarige bemerkte die Bewegung.

„Fang jetzt bloß nicht an zu rechnen“, sagte er, ohne aufzusehen. „Sonst frisst dich der Markt schneller als der Kontakt.“

Adam hob den Blick.

„Welcher Markt?“

Der Grauhaarige grinste.

„Der, auf dem man die letzten Illusionen mit dem eigenen Antrittsgeld kauft. Du wirst es sehen, wenn du dort ankommst. Dort verkaufen sie dir Verbindung, eine Platte, Hoffnung und ein Stück sauberen Stoff für den Bestattungsbericht. Alles zum Preis deiner Angst.“

Dieser Satz öffnete bereits die nächste Etappe.

Doch jetzt, im Hangar, war nicht der Markt und nicht die künftige Wahl das Wichtigste, sondern das Brett, das am Eingang im Schlamm versank.

Denn gerade dieses billige Kiefernbrett gab Adam zum ersten Mal nicht das Bild, sondern die Substanz der Täuschung.

Und das war schlimmer als alle Worte.

Über das Buch

die zweite Phase von MONOLITH

SCHLAMM beginnt nach dem ersten Riss. Die Wand verliert ihre Härte, doch Freiheit stellt sich nicht ein: Druck wird zur Umgebung, weicht Grenzen auf und macht Teilnahme vertrauter als Widerstand.

Im Zentrum steht Adam, der Arbeit, Zuhause und frühere Stützen verloren hat. Sein persönlicher Fall erweist sich als Teil eines Prozesses, in dem das menschliche Ich in eine Ressource und in Material der Umgebung verwandelt wird.

Dies ist Band II von MONOLITH: die zähflüssige Zone zwischen Festigkeit und Dekompression, die niemand sauber durchqueren kann.

Vom Autor

über den Ursprung des Buches

Wir haben SCHLAMM nicht nach einem im Voraus entworfenen philosophischen Schema geschaffen und es auch keiner fertigen Lehre angepasst.

Das Schema stand nicht vor dem Buch — es lag in jener Quelle, aus der das Buch hervorging.

Erst später konnten wir die Prinzipien erkennen und formulieren, die in seiner Welt bereits wirkten: Wahrheit gehört nicht nur einer Stimme, Sinn kann selbst aus dem Mund eines Ungeheuers sprechen, die Annahme der Realität bedeutet keine Billigung von Handlungen, und der Leser behält das Recht, den eigenen Sinn zu hören.

Manchmal erscheint ein Werk, bevor sein Autor die Worte findet, um zu erklären, woher es kam.

Ohne Spoiler

was Leser im Inneren erwartet

Adam verliert Arbeit, Zuhause und seine früheren Stützen. Sein Leben bricht nicht mit einem Schlag zusammen; es geht langsam aus den Nähten.

Vorübergehende Räume, fremde Regeln, Hunger, Erschöpfung, Ritual und falsche Ruhe machen aus einzelnen Zugeständnissen eine Veränderung der Zusammensetzung des Menschen.

In SCHLAMM wirkt Gewalt durch Gewöhnung. Ein Mensch wird nicht sofort gebrochen; er wird in einen Zustand geführt, in dem Widerspruch zu schwer wird.

Künstlerisch-forschender Rahmen

Umgebung, Erschöpfung, Grenzverlust

SCHLAMM untersucht Druck, der zur Umgebung geworden ist. Widerstand wird nicht sofort zerstört — er wird durch Erschöpfung, Hunger, Abhängigkeit, Wiederholung und falsche Fürsorge verbraucht.

Zähflüssigkeit erzeugt die Illusion von Bewegung: Ein Mensch wählt noch, aber seine Wahl findet bereits in einer Umgebung statt, die seine Grenzen verändert hat.

Der zentrale Gegenstand des Buches ist der Augenblick, in dem Teilnahme der Zustimmung vorausgeht und die Umgebung mit der Stimme des Menschen zu sprechen beginnt.

Themen

Zusammensetzung der Umgebung

Zähflüssigkeit

Bewegung, die immer tiefer in der Umgebung festhält.

Erschöpfung

Widerstand, der zu teuer gemacht wurde.

Hunger

Notwendigkeit, die in Zustimmung übersetzt wird.

Ritual

Wiederholung, die das Unzulässige zur Norm macht.

Mittäterschaft

Teilnahme, die vor der Zustimmung begann.

Formverlust

Das Verschwinden der Grenze zwischen Mensch und Umgebung.

Für wen

Leserzugang

Für Leser von Dystopien und Psychothrillern, denen nicht nur der offene Konflikt mit dem System wichtig ist, sondern auch der leisere Prozess: Erschöpfung, Gewöhnung, Auflösung von Grenzen und Teilnahme an dem, was kurz zuvor unmöglich schien.

Für Menschen, die Geschichten ohne bequeme Heldenpose und ohne klare Linie zwischen äußerer Gewalt und innerer Zustimmung suchen. SCHLAMM wirkt dort, wo ein Mensch sich noch für getrennt hält, obwohl die Umgebung seine Zusammensetzung bereits verändert hat.

Platz in der Trilogie

MONOLITH / Band II

SCHLAMM ist Band II von MONOLITH und die Phase zähflüssiger Verformung. BETON errichtet Wand und ersten Riss; SCHLAMM zeigt, wie Druck danach zur Umgebung wird, Widerstand ermüdet und Mittäterschaft zur Gewohnheit.

Das ist keine Befreiung nach dem Zusammenbruch fester Ordnung. SCHLAMM liegt zwischen BETON und GAS: Frühere Grenzen schützen nicht mehr, doch die vollständige Dekompression der Form ist noch nicht eingetreten.

Wo lesen / Ausgaben

derzeit verfügbare Links

Was nicht verwechselt werden darf

Grenzen des Buches

SCHLAMM ist keine Geschichte der Befreiung nach dem Fall der Wand. Der Verlust fester Form bedeutet keine Freiheit: Kontrolle kann näher rücken, wenn sie zur Umgebung wird.

Es ist nicht nur die Geschichte eines persönlichen Abstiegs und keine Anleitung zum Widerstand. Das Buch untersucht eine Logik, die durch Verletzlichkeit, Erschöpfung, Notwendigkeit, Ritual, Gewöhnung und schrittweise Teilnahme wirkt.

SCHLAMM ist kein politisches Pamphlet und kein Cyberpunk über Technologie. Es ist der zweite Band einer künstlerischen Untersuchung von Druck, der seinen Aggregatzustand ändert und als Substanz des Alltags zu wirken beginnt.

Signal

untere Aktenmarke

Solange ein Mensch fest ist, schützt er nur seine Form. Wenn die Form auseinandergeht, wird sichtbar, woraus er besteht.

Die Ausgabe erschien unter Bedingungen der Exterritorialität als Fortsetzung des Signals, das erstmals in Band I, Objekt Nr. 2026-001B, aufgezeichnet wurde.

Ashraellen-Symbol— mark of presence