Eine abgeschlossene Autorenausgabe
Das Buch ist weder Korrekturexemplar noch vorläufiger Ausdruck oder unfertiger Prototyp. Es ist eine vollendete physische Form, die vom Autor herausgegeben wird.
Ashraellen
Physische Bücher vom Autor / öffentliche Buchpässe
Ein Buch muss nicht zu einer anonymen Ware werden, um öffentlich zu werden.
samizdat 2.0 ist eine zeitgenössische Struktur für Bücher, die vom Autor abgeschlossen, außerhalb der industriellen Verlagskette in eine physische Form gebracht und direkt an Leser weitergegeben werden. Jede Ausgabe bleibt durch einen permanenten öffentlichen Pass mit ihrem Ursprung verbunden.
Publikation ist leicht; Präsenz ist es nicht
Der klassische Samisdat entstand dort, wo ein Text nicht durch offizielle Kanäle gelangen konnte. Heute ist der technische Akt der Veröffentlichung nahezu allgemein zugänglich. Eine Datei kann sofort veröffentlicht, ein Buch auf Anfrage gedruckt und ein Text ohne Erlaubnis verbreitet werden.
Doch diese Freiheit erzeugt einen anderen Verlust. Das physische Buch wird leicht in denselben anonymen Umlauf aufgenommen wie jedes andere Produkt: erzeugt, bestellt, geliefert und vergessen, ohne sichtbare Beziehung zwischen Autor, Gegenstand und Leser.
samizdat 2.0 antwortet auf diese Lage. Es ahmt keine Untergrundpublikation nach und romantisiert keine Knappheit. Es stellt eine direkte und verantwortliche Beziehung zwischen dem abgeschlossenen Werk, dem Autor, der ihm materielle Form gibt, und dem konkreten Exemplar wieder her, das in die Welt tritt.
Es geht nicht darum, der Publikation zu entkommen. Es geht darum, zu verhindern, dass das Buch seinen Ursprung verliert, wenn es öffentlich wird.
kein Entwurf, kein Ersatz
Das Buch ist weder Korrekturexemplar noch vorläufiger Ausdruck oder unfertiger Prototyp. Es ist eine vollendete physische Form, die vom Autor herausgegeben wird.
Die Ausgabe kann ohne ISBN, Lagerbestand, Vertrieb oder konventionelle Auflage bestehen. Ihre Legitimität beruht auf dem abgeschlossenen Werk und der Erklärung des Autors.
Jedes physische Exemplar kann signiert und individuell nummeriert werden. Die Nummer bezeichnet seinen Platz in der autorischen Folge, nicht künstliche Seltenheit.
Ein QR-Code verbindet das physische Buch mit einer stabilen Online-Adresse, die Identität, Aufbau, Sprache und fortlaufende Geschichte der Ausgabe enthält.
vom Manuskript zum weitergegebenen Gegenstand
eine Spur des Gegenstands, kein Besitzanspruch auf den Leser
Die individuelle Nummer gehört zuerst dem physischen Exemplar. Sie bestätigt, dass dieser Gegenstand innerhalb einer autorischen Folge vollendet wurde und kein unmarkiertes, von der Ausgabe getrenntes Duplikat ist.
Ein künftiger Eintrag kann Tatsachen über das Exemplar selbst bewahren: Nummer, Sprache, Abschlussdatum, Ort der Weitergabe und Signatur des Autors. Persönliche Daten des Lesers sind keine notwendige Bedingung der Authentizität.
Diese Unterscheidung ist wesentlich. samizdat 2.0 schafft Erinnerung, ohne den Besitzer zum Gegenstand einer verpflichtenden Registrierung zu machen.
eine gedruckte Adresse / ein lebender öffentlicher Eintrag
Der QR-Code im Buch führt weder zu einer Download-Datei noch zu einer Shopseite. Er führt zu einem permanenten Eingang für dieses konkrete Werk.
Sprachfassungen, Ausgabedaten, Fotografien, Korrekturen und spätere historische Notizen können ergänzt werden, ohne den gedruckten Code zu ersetzen. Jedes neue Samisdat-Werk erhält einen eigenen permanenten Eingang und eine eigene Passstruktur.
Das physische Buch bleibt unverändert. Der öffentliche Kontext um es herum kann weiter wachsen.
ein Leser wählt den nächsten
Samisdat lebte immer durch Zirkulation. Ein Buch wurde gelesen, weitergegeben, verliehen oder jemandem geschenkt, für den es von Bedeutung sein konnte.
Ein nummeriertes Samisdat-Exemplar kann lebenslang bei seinem Leser bleiben. Es besteht keine Pflicht, es abzugeben. Möchte der Leser jedoch die Reise des Buches fortsetzen, ohne sein eigenes Exemplar herzugeben, kann ein weiteres erworben und an jemand anderen weitergegeben werden.
Das ist nicht bloß der Kauf eines zweiten Gegenstands. Es ist die Fortsetzung der Übertragung: Ein Leser wählt den nächsten.
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