Literatur- und Forschungszyklus · sieben Bücher

SEVEN

Sieben menschliche Verwundbarkeiten. Sieben eigenständige literarische Welten. Ein Versuch zu verstehen, wie alltägliche Wünsche, Ängste und Bedürfnisse allmählich die Entscheidungen eines Menschen bestimmen.

Es geht nicht um Laster als Urteil, sondern um einen Menschen, der nicht immer bemerkt, wann die eigene Stärke zur Schwachstelle wird.

SEVEN — Cover des Literaturzyklus: sieben Spiegel und eine menschliche Gestalt

Was ist SEVEN?

Literatur und eine Forschungsfrage

SEVEN geht von der historisch bekannten Vorstellung sieben menschlicher Verwundbarkeiten aus. Doch der Zyklus will Menschen nicht einfach in »Gierige«, »Hochmütige« oder »Lüsterne« einteilen. Entscheidend ist der Augenblick des Umschlags: wenn ein nachvollziehbares Streben maßlos wird, sich mit anderen Motiven verbindet, Handlungen zu rechtfertigen beginnt und den Menschen selbst nach und nach verändert.

Der Zyklus besteht nicht aus sieben Varianten derselben Handlung. Eine kriminelle Verwicklung, eine gesellschaftliche Ordnung oder persönliche Beziehungen stellen Menschen vor unterschiedliche Entscheidungen. Die literarische Form ergibt sich daraus, welche Seite einer Verwundbarkeit die jeweilige Geschichte sichtbar macht.

Anders als ein Schema oder ein kurzes psychologisches Beispiel zeigt ein Roman, wie Zeit vergeht: ein Versprechen, den ersten Kompromiss, seine Folgen, die Gewöhnung und die nächste Weggabelung. So entsteht Raum, die innere Logik einer Figur zu beobachten, ohne ihr im Voraus eine Diagnose oder ein moralisches Urteil zuzuschreiben.

Die Bücher des Zyklus

Die ersten drei Bücher
SEVEN — GREED: Cover des ersten Buches

Buch I · GREED

Gier

Ein psychologischer Kriminalroman darüber, wie der Wunsch nach immer mehr, die Angst vor Verlust, Hoffnung und Selbstrechtfertigung die Grenzen des Erlaubten allmählich verschieben. Ein Betrüger sucht eine Schwachstelle; ein anderer Mensch sucht eine Gelegenheit. Was geschieht, wenn beide Suchen aufeinandertreffen?

Roman in Arbeit · russisches Originalmanuskript

PRIDE — ein Mann in dunklem Anzug mit weiß-roter Armbinde; dahinter Schulkinder in Uniformen mit zweifarbigen Halstüchern

Buch II · PRIDE

Hochmut

Ein Land mit großer Geschichte lernt wieder, stolz auf sich zu sein. Jahrzehnte später sind die Straßen sauber und die Behörden funktionieren — doch Zugehörigkeit ist zum Privileg geworden. Ein Mensch kann für dieses Land sein Leben lang unentbehrlich sein und trotzdem nie zu den Eigenen zählen. Eine Dystopie über Stolz, der in Überlegenheitsdenken und institutionalisierte Ungleichheit umschlägt.

Literarische Konzeption ausgearbeitet

Buch III · LUST

Wollust

Begehren verspricht Nähe, Lust und Freiheit. Aber wo verläuft die Grenze, jenseits derer sich Anziehung in den Wunsch verwandelt, einen anderen Menschen zu besitzen? Die dritte Geschichte wird sich diesem schwierigen Feld menschlicher Beziehungen widmen.

Im Konzeptstadium

Sieben Verwundbarkeiten — sieben Wege, das Maß zu verlieren

Eine literarische Landkarte, keine fertige Einteilung von Menschen

Die historischen Bezeichnungen der sieben »Todsünden« dienen hier als Orientierung, nicht als vorgefertigte Menschenbilder. Dahinter stehen vertraute Seiten des Alltags: Erwerb und Bewahrung, Würde und Anerkennung, Anziehung, Vergleich, Schutz persönlicher Grenzen, Sättigung und Erholung.

Es folgen sieben Blickwinkel auf menschliche Bestrebungen, die jeder kennt. Die ersten drei nehmen bereits die Gestalt von Büchern an; die übrigen vier warten noch auf ihre Geschichten.

Gier / GREED · Buch I

Das Bedürfnis nach einem Auskommen wird nicht schon dadurch gefährlich, dass jemand mehr haben möchte, sondern dann, wenn kein Ergebnis mehr genügt. Wie verändern die Erwartungen an den nächsten Gewinn die Einschätzung von Risiken und die Fähigkeit, ein Angebot abzulehnen?

Hochmut / PRIDE · Buch II

Stolz kann Menschen durch eine gemeinsame Vergangenheit verbinden. Was geschieht, wenn dieses Wirgefühl eine Grenze zwischen den »wirklich Eigenen« und allen anderen braucht — und es unmöglich wird, einen Fehler einzugestehen?

Wollust / LUST · Buch III

Anziehung bedeutet für sich genommen noch keine Unterwerfung. Aber kann Begehren frei bleiben, wenn ein anderer Mensch zum Mittel wird, die eigene Attraktivität, Macht oder Einzigartigkeit zu bestätigen?

Neid / ENVY

Der Vergleich mit anderen kann uns helfen, deren Weg und unsere eigenen Möglichkeiten zu erkennen. Was aber geschieht, wenn das Glück eines anderen wie eine persönliche Niederlage erscheint und Gerechtigkeit nur noch heißen soll, ihm seinen Erfolg zu nehmen?

Zorn / WRATH

Zorn kann eine Antwort auf Gewalt oder eine Grenzüberschreitung sein. Wann wird aus Selbstverteidigung das Bedürfnis, um jeden Preis zu bestrafen? Wie beeinflussen die Erinnerung an erlittenes Unrecht, das Gefühl, im Recht zu sein, und die Zustimmung anderer unsere Entscheidungen?

Völlerei / GLUTTONY

Menschen brauchen Genuss, Sättigung und Trost. Doch selbst wenn ein Bedürfnis gestillt ist, stellt sich nicht immer das Gefühl ein, genug zu haben. Lässt sich Maßlosigkeit über das Essen hinaus erzählen — als Unfähigkeit, vor dem nächsten Konsum, dem nächsten Reiz oder Erlebnis innezuhalten?

Trägheit, Mutlosigkeit / SLOTH

Ruhe, Pausen und die Weigerung, an einem sinnlosen Wettlauf teilzunehmen, sind notwendig. Worin unterscheidet sich aber ein frei gewähltes Innehalten von einem Zustand, in dem ein Mensch sich nach und nach aus seinem eigenen Leben zurückzieht? Gerade hier darf man ein moralisches Etikett nicht mit Erschöpfung, Krankheit oder Lebensumständen verwechseln.

Zum Aufbau des Zyklus: Gier, Hochmut und Wollust stehen als die ersten drei Bücher fest. Neid, Zorn, Völlerei und Trägheit bilden den Themenkreis der folgenden Geschichten. Ihre literarischen Welten und ihre Reihenfolge müssen erst noch entstehen.

Für wen entsteht SEVEN?

Eine Geschichte zählt — keine Pflicht, einer Theorie zuzustimmen

SEVEN richtet sich vor allem an Menschen, die Literatur lesen. Um Zugang zum Zyklus zu finden, muss niemand Forschungsprotokolle studieren, die Geschichte religiöser Moral kennen oder die Hypothesen des Autors teilen. Jeder Band soll als eigenständiges Werk bestehen können — mit seinen Figuren, seiner Welt, seiner Spannung und seinen menschlichen Entscheidungen.

Der Zyklus könnte Leserinnen und Leser ansprechen, die psychologische Romane und Dystopien mögen, unzuverlässige Rechtfertigungen, schleichende Charakterveränderungen, moralische Grauzonen und Geschichten, in denen die Gefahr nicht mit einem Monster beginnt, sondern mit einem verständlichen »Ich wollte doch nur das Beste«.

Wer liest, begegnet keinen bloßen Beispielen für Definitionen, sondern Menschen, deren Entscheidungen zugleich Mitgefühl, Widerspruch und Wiedererkennen auslösen können. Man kann eine Figur verstehen, ohne ihr Verhalten zu entschuldigen; eine andere für eine Tat verurteilen, ohne sie insgesamt für schlecht zu erklären. Raum für diesen Widerspruch zu lassen, gehört zum literarischen Anliegen.

Für Lektorate, Verlage und Forschungspartner

Literatur und Forschung entwickeln sich parallel

Für den literarischen Teil sind Gespräche mit Lektoraten, die Arbeit an Manuskripten, Übersetzungen, Verlagskooperationen, Leserdiskussionen und Vorstellungen des Zyklus denkbar. Unterschiedliche Genres innerhalb von SEVEN sind eine bewusste Entscheidung: Ein gemeinsames Thema verlangt keine einheitliche künstlerische Form.

Interessierte Forschende können sich unabhängig davon mit Begriffsbestimmungen, mehrdeutigen Fällen und Verfahren einer unabhängigen Begutachtung befassen. Kritik ist besonders dort wertvoll, wo dieselbe Handlung mehrere überzeugende Deutungen zulässt: Solche Unterschiede helfen, die Fragen vor der eigentlichen Prüfung genauer zu formulieren.

Redaktionelle und wissenschaftliche Arbeit folgen unterschiedlichen Qualitätsmaßstäben. Beim Roman zählen literarische Überzeugungskraft und menschliche Vielschichtigkeit; in der Forschung die Klarheit der Definitionen, die Möglichkeit des Widerspruchs und die Reproduzierbarkeit der Verfahren. Beide Wege können einander bereichern, dürfen sich aber nicht gegenseitig ersetzen.

Wie geht es weiter?

Sieben Entwürfe — eine offene Struktur

Für GREED gibt es bereits eine eigene Seite mit einem Romanauszug. Auch PRIDE hat eine Buchseite mit der literarischen Szene »Ruhmeshalle«. Parallel zur weiteren Arbeit an den Manuskripten werden allmählich neue erzählerische Welten entstehen. Jede Geschichte soll eine eigene Atmosphäre, ein eigenes Genre und einen eigenen Ton haben.

Hier werden neue Cover, Inhaltsbeschreibungen und literarische Auszüge hinzukommen. So lässt sich verfolgen, wie aus philosophischen Fragen nach und nach literarische Werke entstehen.

Von der Literatur zur Forschung

Zwei unterschiedliche Arten, Fragen zu stellen

Ein Roman beweist keine Hypothese. Ein guter Roman kann zeigen, wo eine Hypothese zu einfach ist.

Die Forschung stellt Fragen, für deren Beantwortung eine Handlung allein nicht ausreicht: Gibt es stabile Unterschiede zwischen den sieben Kategorien? Wie lassen sich mehrdeutige Fälle vergleichen? Was könnte eine bequeme Erklärung widerlegen? Zu den erwogenen Möglichkeiten gehören ein gemeinsamer Mechanismus, das Zusammenwirken von Motiven, wechselnde Konstellationen und die Möglichkeit, dass bereits die ursprüngliche Einteilung falsch ist.

Das aktuelle Methodenpaket v03 ist noch nicht festgeschrieben und wurde noch nicht der geplanten unabhängigen Begutachtung unterzogen. Die Forschungsseite erläutert seine Dokumente, Grenzen und die nächsten Arbeitsschritte.

Ashraellen-Symbol— mark of presence